Brief an die Gemeinde

Fortsetzung:
BRIEF AN DIE GEMEINDE - vom 11. Juli 2020 
von Pater Alex

Da geht es uns so ein bisschen wie dem Sämann aus dem Gleichnis, das Jesus Christus im heutigen Evangelium (15. Sonntag im Jahreskreis A) erzählt. Er geht aufs Feld, um zu säen, ein Teil der Saat wird gleich von den Vögeln gefressen, ein anderer Teil von der Sonne versengt, und ein weiterer Teil landet in den Dornen und wird erstickt. 75% der Saat gehen also verloren, und bei den restlichen 25%, die auf guten Boden fallen, ist der Erfolg auch geteilt: dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

„Wer Ohren hat, der höre!“ sagt Jesus am Schluss … was möchte er uns damit sagen, was sollen wir daraus hören?

Vielleicht kann uns das ein Beispiel aus dem Leben des heiligen Franz von Sales deutlich machen. Er war frisch geweihter Priester, voller Energie und Elan und hatte nur ein Ziel: jenen Teil seiner Diözese, der zu den Calvinern übergelaufen war, wieder zur Katholischen Kirche zurückzubringen. Er bemühte sich redlich. Durch Predigten, durch Gespräche, durch sein persönliches Beispiel. Er setzte bei seinem Engagement ein paar Mal sogar sein Leben aufs Spiel. Und jetzt hören wir einmal, was er nach einigen Monaten seines intensiven missionarischen Bemühens als Fazit aufgeschrieben hat:

„Es ist nun schon der siebente Monat, seit ich hier herkam. Obwohl ich an allen Sonn- und Feiertagen und oft auch während der Woche gepredigt habe, haben mich von den Calvinern nur drei oder vier angehört, die vier- oder fünfmal zur Predigt kamen … Ich versäume … keine Gelegenheit, an sie heranzukommen, aber die einen wollen mich nicht anhören, andere entschuldigen sich … es ist unmöglich, sie zum Bekenntnis des Glaubens zu bringen… Übrigens bin ich gut genug, den Mauern zu predigen, wie ich es in dieser Stadt mache …“ (DASal 8,18).

Das muss für Franz von Sales wirklich ziemlich enttäuschend gewesen sein. Sieben Monate lange strengt er sich an und trotzdem kommt er zum Schluss: „Ich predige hier gegen Mauern“. Was Franz von Sales trotz dieser frustrierenden Erfahrung jedoch ebenso auszeichnete, das war sein Durchhaltevermögen und vor allem sein Vertrauen darauf, dass irgendwann die Saat auch auf fruchtbaren Boden fallen wird. Franz von Sales gab also nicht auf. Er streute seine Saat weiter aus … und schließlich nach vier Jahren geduldigen Säens kam dann tatsächlich der Erfolg: dreißigfach, sechzigfach, hundertfach.

Beharrlichkeit, Ausdauer und Geduld wurden zu seinem Markenzeichen auch in seinem späteren Wirken als Bischof – und vor allem sein Vertrauen darauf, dass Gott das Bemühen segnen wird, so wie es ihm gefällt.

„Du magst wohl die Pflanzen begießen“, so war Franz von Sales überzeugt, „es wird dir aber nichts nützen, wenn Gott nicht deiner Arbeit seinen Segen gibt. … Unsere Pflicht ist es freilich, gut zu arbeiten, der Erfolg unserer Arbeit aber steht bei Gott“ (DASal 2,101).

Das Gleichnis vom Sämann möge uns daran erinnern und uns zur Beharrlichkeit, Geduld und Ausdauer ermutigen. Wir sind vor allem für das Säen und Begießen zuständig. Der Erfolg unserer Arbeit aber wird von Gott entschieden.

Ein Gebet des heiligen Franz von Sales bringt das übrigens sehr schön zum Ausdruck:

„Durch Dich, o Herr, arbeiten wir und so arbeiten wir für Dich. Du segnest unser heißes Bemühen, Du gibst den Erfolg.“ (DASal 2,104). Amen.

Ich wünsche Ihnen/euch einen gesegneten Sonntag!

Ihr/Euer Pater Alex