Sonntagsgottesdienst

 

 

 

WORTGOTTESDIENST ZUM FÜNFUNDZWANZIGSTEN SONNTAG, LESEJAHR – A

20. SEPTEMBER 2020.

L 1: Jes 55,6-9 APs: 145,2-3.8-9.17-18 L
2: Phil 1,20-24.27. EV: Mt 20,1-16a

Fortsetzung:

Wie bei den ersten Arbeitern des heutigen Evangeliums seine Befehle und Tun sind uns manchmal unverständlich (Mt 20,9-12). Wir sollen aber nicht gegen diese murren, wie diese Arbeiter. Denn, obwohl viele seiner Worte und Befehle uns unfassbar sind, sind sie alle völlig wahrhaftig und richtig (Ps 33,4). Obwohl wir von denen anders denken können, sind Gottes Wege vollkommen und seine Worte durchläutert (Ps. 18,31). Seht, ‚seine Worte sind unseren Füßen eine Leuchte, für unsere Pfaden ein Licht.‘ (Ps 119,105).

So verstehen wir es aber leider oft nicht, weil die Gedanken Gottes den Unseren nicht gleichen und seine Wege sind völlig anders von den Unseren (Jes 55,8). Denn „Groß ist der Herr und … unerforschlich seine Größe.“ (Ps 145 8-9). Gott ist der Höchste, hoch erhaben über alle Götter (Ps 97,9). Seine Wesen überragt das All (Ps 148, 13). Ebenso sein Verstand und Wissen. Ist der Himmel nicht viel hoch über der Erde erhaben? So hoch sind die göttlichen Wege und Gedanken erhaben über die Unseren (Jes 55,9). Gott ist Gott. Er ist einzig. Gott sind wir nicht; noch Engel, sondern gewöhnliche Menschen, nur alltägliche Sterbliche.

Obwohl dieselben Wesen und Natur, die Gedanken und Wege der Eltern sind deutlich anders als die von ihren Kleinen. Ist dies nicht nur wegen des Unterschiedes des Alters? Sind die Verstand und Wissen der Eltern falsch und unrichtig, weil die Kinder die nicht verstehen?

Seht! „Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der vergängliche Leib beschwert die Seele und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist.“ (Weis 9,15).

Trotz der Nichtigkeit unseres menschlichen Wesens gegenüber Gottes werden unsere Seelen und Geist also von den Leibern und Besorgnissen so zunichtegemacht, dass wir mehr unklug als klug sind, leider mehr töricht als verständig.

Dies hat auch weitere widrige Folgen: „Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt“ Wie können wir „dann ergründen, was im Himmel ist?“ (was überirdisch ist?). (Weish 9,16).

Die schlimmste Folge vom Belasten des Leibes ist die Sünde. Denn die Sünden verdunkeln das Auge der Seele. Besonders die tödlichen! Sie verblenden die geistigen Augen und verwechseln die Vernunft. Denn werden die ewigen Wahrheiten, die retten, die der getreue Gott uns für unser Heil offenbart, uns nicht nur unverständlich sein, sondern unseren Ideen sogar widersprüchlich. Das Wort Gottes, dieser ‚Wohlgeruch und Lebensduft, der Leben verheißt, werden uns (den Verlorengehenden) dann ein Todesgeruch, der Tod bringt sein (2 Kor 2, 14-16).

Dann fangen wir an es als unrichtig und bedrückend zu betrachten. Und, wenn wir leider stolz sind, beginnen wir uns gegen es zu wehren; uns gegen den allgerechten Richter aufzulehnen!

In der Schwachheit ihrer kindlichen Vernunft denken die Kinder auch manchmal, dass sie von den Eltern bedrückt sind. Ihnen scheint das Feuer wunderschön. Und sie wollen sich in es eintauchen. Sie wollen auch das kochende Wasser, das ihnen bezaubernd scheint, auf sich gießen und jede gutaussehende Flüssigkeit und Tablette einnehmen. Die Eltern aber verbieten es ihnen. Die Kinder möchten gerne zu Hause mit den Eltern bleiben. Die Eltern aber zwingen sie zum Kindergarten.

Auch, wenn die Kinder darum weinen, folgen sie ihren Eltern trotzdem. Denn irgendwie kennen sie, dass die Eltern es gut meinen. Und aus ihrer Demut lassen sie sich von ihnen überallhin tragen, wohin immer sie wollen. So, unbeschädigt von der Torheit der Kindschaft gelangen sie zur Reife. Sie werden auch Eltern; werden ihren Eltern ganz ähnlich, auch in Gedanken und Tun.

Ebenso sollen wir das Wort Gottes vom Herzen glauben und ihm in allem folgen. Wir sollen uns von Gott überallhin tragen lassen, wohin immer er will. Denn nur so können wir, unbeschädigt von der Torheit des Eigenwillens und der Rechthaberei, zur Reife in unserem Christsein gelangen. Wir würden nur so, unversehrt von der Sünde und Hochmut, gerecht sein, wie Gott selbst. Dies genau tat Paulus. Und unversehrt vom Wahnsinn der Rechthaberei gelangte zur Reife im Christsein. Er wurde Christus komplett ähnlich (1 Kor 11,1. Gal 2,20).

Wir sollen es ihm gleichtun, damit Christus auch für uns das Leben wird. Und für uns auch das Sterben ein Gewinn (Phil 1,20-21). Denn Gott, der gnädig und reich an Gnade ist, kann weder verleiten noch bedrücken (vgl. Ps 145,8-9). ‚Gerecht ist er auf all seinen Wegen und getreu in all seinen Werken.‘ (Ps 145,17-18).

So, meine Lieben, „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“ (Jes 55,6).

Euch allen einen gesegneten Sonntag.
Kaplan Kevin.