Sonntagsgottesdienst

 

WORTGOTTESDIENST ZUM SIEBZEHNTEN SONNTAG, LESEJAHR – A

26. JULI 2020.

 L 1: 1 Kön 3,5.7-12 Aps: Ps 119,57 u.72,76-77.127-128.129-130 (R: 97a) L 2: Röm 8,28-30 Ev: Mt 13,44-52

„Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz….“ Mt 13,47 Der Herr Jesus lehrte oft in

Gleichnissen. Richtig bemerkenswert aber ist, dass wenn er nun das Geheimnis des Himmelreiches offenbaren wollte, ‚redete er nur in Gleichnissen.‘ (Mt 13,34). Dies tut er, damit jeder dieses Geheimnis hört und es auch versteht, es erfährt und es auch erkennt (vgl. Mt 13,13). Denn nur wenn man das Himmelreich kennt, kann man auch sich danach sehnen und nur der, der sich danach sehnt, kann sich aufrichtig bemühen darin zu gelangen. Weil ohne dieses Bemühen, kann niemand das Reich betreten.

Jesus ist aber gekommen, damit jeder dort oben gelangt. Denn das Himmelreich übertrifft alles Irdisches an Wert. ‚Es ist wie ein Schatz…. wie eine besonders wertvolle Perle.‘ (Mt 13,44.46) um derentwillen alles verzichtet werden soll (Mt 13, 44c. 46). Wir alle sollten, und zwar, müssten in dieses Reich gelangen, weil neben seiner grenzenlosen Glückseligkeit, ist draußen (außer diesem Palast) nur ewige Qual da zu erfahren – eine Hölle, die für die Bösen reserviert ist – „in dem das Feuer brennt.“ (Mt 13,49).

Darum will der Herr Jesus uns nicht nur vom gnädigen Erbarmen Gottes, sondern auch von seiner strengsten Gerechtigkeit lernen lassen, damit wir Gottes Barmherzigkeit zu unserem Verlust nicht als selbstverständlich betrachten. Denn diese beiden Kenntnisse befreien uns sowohl von der Vermessenheit als auch von der Verzweiflung.

Das Verlorengehen wird nur durch diese beiden verursacht. Wir gehen verloren, entweder weil wir frei sündigen oder, weil wir uns an Gott wegen unserer Sünden nicht wenden. Und wir sündigen frei, weil wir die göttliche Gerechtigkeit nicht achten. Andererseits trauen wir uns nicht an Gott zu wenden wegen unserer Sünden, weil wir die Barmherzigkeit Gottes missachten.

Die, was uns den Sieg gegen diese vernichtenden Bedrohungen verleiht, ist die gleiche Achtung der göttlichen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Meine Lieben, Gott ist kein Mensch. Bei den Menschen gibt es einer der beleidigend ist, ist aber nicht unkeusch. Unhöflich ist der andere, er ist aber nicht beurteilend. Der eine ist gerecht, barmherzig ist er aber nicht. Ein anderer ist barmherzig aber nicht getreu. Im Gegenteil fehlt Gott jeder Laster, sondern verfügt grenzenlos über jede Tugend. So ist Gott, unter anderem, gnädig, nachsichtig, treu, liebevoll, barmherzig, streng und gerecht

 

Gott ist also sowohl unendlich gnädig als auch unendlich treu. Er ist sowohl grenzenlos barmherzig als auch grenzenlos gerecht. Gott ist also selber die Gnade und die Treue, die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit *1. Da Gott selber die Gnade und die Treue, die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit zugleich ist, versäumt er nie entweder die eine oder die andere einzusetzen, wenn immer der Bedarf da ist. Dass Gott Barmherzigkeit und Gerechtigkeit oft gleichmäßig einsetzt, können wir überall entdecken.

Denn sogar die Natur aussagt, dass Gott so handelt. Denn der Mond ist deutlich das Werk der göttlichen Barmherzigkeit, indem die Sonne unübersehbar das Werk Gottes Gerechtigkeit ist. Der göttlichen Barmherzigkeit verdanken wir den Winter den Sommer aber Gottes Gerechtigkeit. Der Regen ist da wegen Gottes Milde, der Blitz ist da wegen seiner Gerechtigkeit. Ist das Wasser nicht ein Geschenk der göttlichen Liebe? Und der Feuer? Ist er keine Gabe der göttlichen Gerechtigkeit? Der See und der Fluss verkünden Gottes Milde die Flut und der Sturm aber seine Gerechtigkeit.

Die Wehe der Schwangere bezeugt Gottes Gerechtigkeit und die Geburt seine Barmherzigkeit. In der Familie ist der Mann das Symbol der göttlichen Gerechtigkeit und Strenge und die Frau das, seiner Barmherzigkeit und Milde. Wegen Gottes Gerechtigkeit sind wir gebrechlich und krank wegen seiner Barmherzigkeit haben wir Medizin und Medizintechnik. Da Gott gerecht ist, haben wir Bedürfnisse. Dafür haben wir aber auch Lösungen, dank seiner Gnade. Weil Gott gerecht ist, müssen wir um unsere Wünsche beten und da er gnädig ist, tritt selbst sein Geist für uns ein. (Röm 8,26).

Außer der Natur sagt das Himmelreich Gottes Barmherzigkeit aus, indem der Fegefeuer und die Hölle seine Gerechtigkeit bezeugen. So ist Gott und so handelt er! Wie er unendlich barmherzig und mild ist so ist er unendlich treu und gerecht (vgl. Ps 44,2-3. Weish 12,1-27). Dieses Geheimnis ist so deutlich, dass man es nicht übersehen darf. „Sollte der nicht strafen, der die Völker erzieht, er, der die Menschen Erkenntnis lehrt?“ (Ps 94,10). Könnte der, der den Menschen allen das Gebot verschreibt nicht richten? Könnte der Gesetzgeber nicht bestrafen? Schaut das Kreuz an: es ist zugleich die Folge des göttlichen Zorns und Milde.

Seid nicht verzweifelt, wenn ihr sündigt, weil Gott dem Sünder bereitwillig vergibt, der sich an ihn reumütig wendet. Und seid aber nicht getäuscht. Denn wahrhaftig straft Gott den Sünder strengst in seiner Gerechtigkeit, der seine Sünden nicht bereut, der nicht will sich mit ihm zu versöhnen.

Wir müssen also das Gebot halten; müssen Gutes tun und Böses vermeiden. Denn wirklich „wird es … am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“ (Mt 13,49-50). Die Gerechten werden aber „… im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten.“ (Mt 13,43).

 

*1 vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 271