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Fortsetzung                                                                                                   14. Mai 2020

Sechster Sonntag der Osterzeit Jahr A

Weil wir einander lieben, halten wir Abstand und tragen wir Mund- und Nasenschutz. Vergangenen Sonntag war Muttertag. Weil wir auch unsere Mütter und Omas lieben, die nicht mit uns im selben Haushalt leben, waren wir angehalten, zu ihnen Abstand zu halten.

Irgendwie paradox! Liebe verbinden wir normalerweise mit Nähe, Umarmung… Nun müssen wir aus Liebe das Gegenteil tun: Abstand halten. Wir könnten nun diskutieren, ob das alles nötig ist. Wir könnten auch andere Umgangsregeln ersinnen und von der Regierung fordern, wie das manche tun. Regeln helfen aber nur, wenn sie für alle einsichtig und vollziehbar sind. Am Anfang der Corona-Kriese haben sich der eine oder andere darüber lustig gemacht. Erst als das Virus auch vor prominenten Politikern und hohen Beamten nicht Halt gemacht hat, und sich Personen infiziert haben, die meinten, die Vorsichtsmaßnahmen seien überzogen, sind die meisten kleinlaut geworden.

Wir mussten einen mehrere Wochen langen Lernprozess durchlaufen, um mit dieser für manche Mitbürger lebensbedrohlichen Situation angemessen umgehen zu können. Vor allem mussten wir und müssen wir immer noch lernen, die Vorschriften dem Sinn nach anzuwenden und sie von Woche zu Woche neuen Erkenntnissen gemäß anzupassen. Es reicht nicht aus, dass wir dem Buchstaben des Gesetzes Genüge tun.

GEBET

Guter Gott, ich fühle mich nicht wohl und habe immer wieder Angst. So viele Fragen schießen durch meinen Kopf. Wie geht es jetzt weiter? Bleibe ich gesund? Habe ich auch schon den Virus? Wie geht es den erkrankten Menschen bei uns und überall? Mit all diesen Ängsten und Zweifeln komme ich zu Dir.

Ich bete für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist und bitten um Heilung für alle Erkrankten. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben. Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

Ich bete, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität. Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen, Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht und macht uns bereit – offen und aufmerksam für das Leben. Jesus, wir vertrauen auf Dich! Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer, Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns! Amen.

1. LESUNG - APG 8,5-8. 14-17
2. LESUNG - 1 PETR 3,15-18
EVANGELIUM - JOH 14,15-21

Wenn Jemand mich liebt,
 wird er an mir festhalten…

Liebe Kinder und Jugendliche
Liebe Schwestern und Brüder

Vor ein paar Jahren war wieder einmal Krieg zwischen Indien und Pakistan. Im Gebirge von Kargel, gab es viele tote und verletzte Soldaten auf beiden Seiten. Eine Gruppe von Katholischen Missionaren aus Indien wollten die verletzten Soldaten in den Kriegs-Orten im Lazarett besuchen, aber sie wurden nicht zu den verletzen Soldaten vorgelassen. Ein Missionar hatte plötzlich eine Idee. Er nahm Kontakt auf zu der Agentur, die immer in die Lager der verletzten Soldaten, die notwendigsten Medikamente und die Lebensmittel lieferte. Er sammelte viele kleine Spiegel und gab sie an die Agentur weiter, welche sie an die Soldaten übergeben sollte. Auf die Rückseite der Spiegel schrieb er den Text aus der Hl. Schrift Joh 3:16: Der Text lautete so: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahin gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“. Der Missionar schrieb weiter dazu: „Wenn sie wissen wollen wem Gott so liebt, schauen sie auf die andere Seite des Spiegels.“ Jeder Soldat bekam nun einen Spiegel. Jeder Soldat der einen Spiegel bekommen hatte, las den Text auf der Rückseite des Spiegels, und schaute auf der anderen Seite in den Spiegel rein: Da sah jeder Soldat sein eigenes Gesicht. Die Erkenntnis dass sie von Gott geliebt werden, gab jeden von ihnen neuen Lebensmut und Trost.

Liebe Mitchristen,
wir haben eben aus dem Johannes Evangelium gehört, in dem Jesus sagt: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Was sind nun die Gebote Gottes? Die Gebote Gottes sind nichts anderes als Regeln, Vorschriften, Anweisungen Gottes, den Mitmenschen zu lieben, wie Jesus selber uns geliebt hat. Wir sollen den Menschen lieben, so wie Jesus uns geliebt hat. Jesus zeigt und beweist uns die Liebe zu Gott seinem Vater, durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung das er für uns erlitten hat.

Geliebt und anerkannt zu werden ist das Grundbedürfnis jedes Menschen, welches ihn zu voller Menschlichkeit führt. Unsere Lebenserfahrungen zeigen, dass viele Kinder die in den lieblosen Lebensvoraussetzungen, wie Krieg und Streik aufwachsen als Problemkinder gelten. Sie leiden an Mangel von wahrer Liebe, mit welcher Gott liebt. Anders gesagt die Ich-Bezogenheit, ist der Grund aller Unordnungen in der heutigen Welt: Kriege, viele Scheidungen, Krach in der Ehe, Hass und Gewalt in den Familien, Hunger und Not viele Menschen.

„In jeder Liebe ist Opfer, denn in der Liebe wird der Egoismus in uns getötet,“ hat der Kirchenvater Augustinus einmal gesagt. „Egoismus“ / „Ich-Bezogenheit“ ist das größte Übel der heutigen Gesellschaft. "Die Menschen sind schlecht, sie denken an sich, nur ich denk an mich,“ so lautet ein Lied. Der Autor Albert Camus schreibt pessimistisch: „Ich habe in meinem Leben zumindest eine große Liebe gekannt, und ihr Gegenstand war jederzeit ich selbst...“. Die „Ich-Bezogenheit“ bedeutet immer für sich selbst zu denken. Die Liebe aber gibt immer, sie teilt aus. Die „Ich-Bezogenheit“ will nichts geben, nur empfangen.

„Wo die Güte und die Liebe wohnt, dort wohnt Gott“, so lautet ein Liedvers. Die Liebe verbindet den Menschen mit Gott und Gott mit den Menschen. Jesus selbst ist das Beispiel, dem wir nachfolgen sollen. Wenn wir in den Spuren Jesus gehen, wenn wir in Liebe, uns dem Geist Jesus und den anderen Menschen öffnen, dann kommen auch Glaube und Hoffnung an ihr Ziel, da bekommt die Welt ein neues Gesicht.

Für Jesus ist Gott die pure Liebe – absolut, unverlierbar, bedingungslos, selbstlos – die stets verzeihende Liebe. Dieser Gott wohnt nicht irgendwo fern im Himmel, sondern er wohnt in unserer Mitte, im Herzen der Menschen, in den Menschen, die einander lieben. Gott wohnt in uns Menschen. Wer in den Menschen den anwesenden Gott nicht erkennt, der wird den lieben Gott nirgends wo erkennen. Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes, weil jeder Mensch ein Zeichen Gottes unendlicher Liebe ist. In jeden Mitmenschen kommt uns Jesus selbst entgegen, ihn sollen wir erkennen. Jesus erkennen und Jesus lieben bedeutet also mehr als Gefühl oder schöne Worte. Es bedeutet mit dem Herzen fühlen, sprechen und hören. Es ist die Aufgabe die wir haben, in jeden von uns die Anwesenheit Gottes zu erkennen. Diese Erkenntnis soll in uns wachsen, dass wir von Gott geliebt, gewollt und gebraucht sind. Lasst diese Erkenntnis uns allen neuen Lebensmut schenken, wie den Soldaten im Lazarett in der Anfangsgeschichte. Amen.

Segen

Zitat

Verleihe uns, o Herr,
dass die Ohren, die deinen Lobpreis gehört haben,
verschlossen seien für die Stimme des Streites und des Unfriedens;
dass die Augen, die deine große Liebe gesehen haben,
auch deine selige Hoffnung schauen;
dass die Zungen, die dein Lob gesungen haben,
hinfort die Wahrheit bezeugen;
dass die Füße, die in deinen Vorhöfen gestanden haben,
hinfort gehen auf den Wegen des Lichtes;
und dass die Leiber, die an deinem lebendigen Leibe Anteil gehabt haben,
in einem neuen Leben wandeln.
Dir sei Dank für deine unaussprechliche Gabe.

(Malabar-Liturgie - Indien- 5. Jhdt.)

Ich wünsche Ihnen/euch einen gesegneten Sonntag
Ihr/euer Pater Alex