Neues & Veränderungen
Pastoraler Raum
Stadt Braunschweig
Sechs Pfarreien im Stadtgebiet
Fastenzeit: Von Aschermittwoch bis Ostern
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Gäste in St. Cyriakus,
die mit dem Aschermittwoch begonnene Österliche Bußzeit wird wohl in unserem Sprachgebrauch auch weiterhin vorrangig „Fastenzeit“ heißen. Diese Begrifflichkeit hat den Vorteil, dass man weiß, worum es geht: fasten und verzichten. Auch in nicht-religiösen Zusammenhängen wird das Fasten praktiziert als eine positive Form der Lebensgestaltung und als eine wichtige „Entschlackungszeit“ für Leib und Seele. Fasten, wie es der Glaube anrät, erfolgt nicht als Selbstzweck. Indem man verzichtet und anders lebt, soll die Ebene des Herzens größer und stärker werden. Letztlich soll die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst neu wachsen.
Die Kirche gibt keine präzisen Anleitungen, wie das Fasten „richtig“ praktiziert wird. Im Sinne des Fastens, damit das Herz weiter wird, können ganz unterschiedliche Formen angezeigt sein.
Viele verzichten auf Alkohol und Süßigkeiten. Andere praktizieren ein Fasten des Auges z.B. im Verzicht auf Medienkonsum. Andere wiederum versuchen, ihre eigene Sprache gegenüber anderen von negativen Worten freizuhalten. Da gefällt mir auch das Motto der evangelischen Kirche sehr gut. Sinngemäß heißt es: „Sieben Wochen ohne Härte! Sondern mit Gefühl.“ Es kann auch angesagt sein, „mehr“ zu machen, z.B. mehr aufzuräumen (auch im eigenen Herzen) oder sich bewusst mehr Zeit für Gott und bestimmte Menschen zu nehmen.
Noch vieles andere ist möglich, um diese Zeit bewusst und engagiert zu gestalten.
Ich wünsche uns in diesem Sinne ganz persönliche, stimmige und reizvolle Fastenprojekte.
Propst Martin Tenge
Gedanken zur Zeit ...
Was ist los in dieser Welt?
Ratlos …
Die Lage im Nahen und Mittleren Osten machen Propst Martin Tenge, Pfarrverwalter in der Pfarrei St. Cyriakus in Braunschweig, sehr betroffen und ratlos. Dennoch hält er nichts davon, in einer Schockstarre zu verharren, wie er in seinem Statement verdeutlicht:
Die Nachrichten aus dem Nahen und Mittleren Osten, machen mich sehr betroffen und ratlos. Was ist los in dieser Welt? Die immer schon bestehenden Spannungen zwischen den Nationen dort haben nun für ein weiteres Kriegsgebiet in dieser Welt gesorgt, in dem die Prinzipien von Angriff und Vergeltung regieren. Die Situation scheint zudem immer mehr zu eskalieren und weitere Länder einzubeziehen.
Zwei Perspektiven werden mir bewusst. Die eine ist der Blick in unsere Situation in unser eigenes Land. Auch unsere Demokratie ist brüchig. Zugleich bin ich sehr dankbar, hier leben zu dürfen, wo es Freiheit und Rechte für uns gibt und wir die Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Das darf nicht gefährdet werden, indem auf Probleme mit unredlichen vereinfachenden Antworten, Schwarz-Weiß-Malerei und mit Ausgrenzung reagiert wird.
Der andere Blick heißt: Wir können die Probleme dieser Welt nicht mit einfachen Antworten bewerten. Ich kann nicht einfach sagen: „Seid nett zueinander und geht in den Dialog!“. Sonst müsste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, keine Ahnung zu haben von der oft brutalen Lebenswirklichkeit der Menschen in anderen Teilen der Welt, die ohne Freiheit, Schutz und sozialen Strukturen auskommen müssen. Es ist oft nicht klar, wer Täter und wer Opfer ist und wie diese Rollen wechseln.
Ein konstruktiver Dialog setzt voraus, dass man eine gemeinsame Basis hat. Es wird aktuell noch offensichtlicher, dass die Menschheit kein verbindendes
Wertesystem hat. Selbst die Vereinten Nationen haben nur eine sehr überschaubare Kraft, die unterschiedlichen Interessen von verfeindeten Nationen in Frieden zusammen zu führen.
Wenn Jesus uns in der Bergpredigt zuruft „Liebt eure Feinde“ oder „Halte auch die andere Wange hin!“, merke ich die Grenzen der Anwendbarkeit. Ist es nicht legitim, sich zu verteidigen, wenn das Leben der eigenen Familie durch Feinde brutal bedroht wird?
Die Idealbotschaft Jesu, die ich persönlich sehr schätze, setzt das Bewusstsein voraus, dass wir eine Menschheitsfamilie sind, die sich zwar untereinander weh tun kann, die sich aber auch wieder zu ihrem Ursprungsgedanken bekehren lässt: Wir wollen einander gut sein! Ohne diese verbindende Grundlage ist auch der Anspruch Jesu nicht nur nicht umsetzbar, sondern kann sogar gefährlich werden.
Wir können wir bei aller Ratlosigkeit in der aktuellen Situation das Gemeinsame der Menschheit stärken? Nichts tun ist keine Option. Ich glaube es ist dringend nötig, zum einen unsere Demokratie nach innen zu schützen. Zugleich heißt es, aus unserer komfortablen Situation heraus aktiv dazu beizutragen, dass Menschen in den Kriegs- und Krisenorten dieser Welt Licht, Wärme, Solidarität und Liebe erfahren. Wenn sie, z.B. durch die Stärkung von großen Hilfswerken wie Caritas International, spüren könnten: „Da helfen uns Menschen aus der ganzen Welt!“, könnte der verbindende Gedanke der Menschheitsfamilie neu wachsen.
Propst Martin Tenge
© Rainer Sturm / pixelio.de















