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in St. Cyriakus!

 

Ihre katholische Pfarrgemeinde
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Nachrichten aus unserer Pfarrei ...


Liebe Schwestern und Brüder,

wieder einmal laufen die Dinge nicht wie geplant. Wie gerne hätten wir Propst Heine Mitte September in seine neue und zusätzliche, aber von ihm gern angenommene Aufgabe, Pfarrer von St. Cyriakus zu sein, eingeführt. Damit war nicht nur eine Personalentscheidung für einen sympathischen und kompetenten Pfarrer verbunden, sondern das Gefühl, dass jetzt endlich mal wieder etwas Ruhe, Stabilität und Normalität in die Pfarrei kommt. So haben es mir manche gesagt, die sich genau darauf gefreut haben. Auch ich hatte in den Wochen davor manches Mal mein Schlüsselbund in der Hand mit dem Gedanken, dass ich demnächst immerhin 6 Schlüssel weniger daran haben würde.

Nun soll es so noch nicht sein. Man könnte es verstehen, dass wir wohl aus der Perspektive des Himmels noch einen Weg gehen sollen, bevor es wieder in einen „stabilen Normalbetrieb“ zurück geht. Oder ist es gar ein Zeichen des Himmels, dass es den vermeintlichen ruhigen Normalzustand gar nicht geben kann und soll?
Vielleicht ist die Sehnsucht, dass es letztlich wieder wird „wie früher“, gar nicht die richtige Perspektive. Alleine in den letzten zwei, drei Jahren hat sich die Welt so enorm weitergedreht und verändert, dass es ein Zurück kaum geben kann: die Corona-Pandemie mit ihren vielen direkten und indirekten Folgen, die so schwierigen Krisenthemen unsere Kirche im Blick auf Missbrauch, Sexualmoral, Synodalem Weg, Finanzskandale sowie manchen anderen bedrückenden Kirchen-Themen, der schreckliche Ukraine-Krieg mit seinen für viele so spürbaren Folgen für die Betroffenen und Sorgen für die Menschen, deren Leben hier im Alltag belastet wird, die Klima-Nachrichten und Unwetter-Meldungen und so viele Ereignisse werden sich kaum zu einem Zustand „davor“ zurückentwickeln lassen. So ist es kaum zu erwarten, dass St. Cyriakus unverändert oder wie früher in die Zukunft gehen wird.

In diesen Entwicklungsprozessen scheinen mir einige Aspekte sehr wichtig, um wirklich nach vorne zu gehen. So ist zum Einem das Phänomen der Veränderung kein negatives Urteil über den Weg, der bislang gegangen wurde. Auch emotional ist es schwierig, wenn man einfach nur sagt: „es ist halt anders als bisher“. Es bedarf einer großen Würdigung und Wertschätzung der gegangenen Wege und der daraus entstandenen Erfahrungen. Denn sie sind weiterhin die Basis für alle Schritte, die in die Zukunft gegangen werden. Viele Erfahrungen von früher waren gut und richtig. Und sie bleiben es.

Als zweiten Aspekt möchte ich die Frage nach den Zukunftsbildern benennen. Wenn ich an die Generation denke, die die Kirche St. Cyriakus – teilweise mit der Kraft der eigenen Hände – mitgebaut hat, gab es Zeichnungen der Kirche und wahrscheinlich Erzählungen, wie sie aussehen und gestaltet wird. Damit entstanden Bilder in den Herzen der Menschen, die die Kirche zwar nicht sehen konnten – es gab auch keine Computer-Animationen – die aber so viel Kraft freigesetzt haben, dass alle mit angepackt haben: „Wir freuen uns auf die Kirche, wenn sie fertig ist!“ Wenn wir heutige Kirchenentwicklung sehen, fehlen diese Bilder, die Kräfte freisetzen. Denn wo ist das, auf dass man sich freut und was guttut. „Wie soll das werden?“ ist da eher eine resignierende Fragestellung. Damit ist es natürlich sehr verständlich, dass der Blick auf die früheren Bilder wach wird. Denn die waren wenigstens irgendwie gut, auch wenn der Verstand sagt, dass diese Zeiten nicht wiederkommen können.

Schließlich ein dritter Gedanken: was könne wir eigentlich wirklich gestalten? Die Vergangenheit kann nicht rückblickend verändert werden. Die Zukunft haben wir nicht in der Hand. Aber es gibt einen kostbaren Moment, der voll in unseren Herzen und Händen und damit in unseren Gestaltungsmöglichkeiten liegt: das ist das JETZT.

In Würdigung des gegangenen Weges und in der Hoffnung auf einen guten Weg in der Zukunft fühle ich mich eingeladen, die Frage im Jetzt zu stellen: Guter Gott, was kann ich jetzt tun, damit dein Reich wächst? Gottes Reich ist größer als die Kirche und unsere Gemeinde. „Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes – alles andere wird euch dazu getan.“ (vgl. Mt 6,33)



Ja, in St. Cyriakus ist es wieder mal nicht so gelaufen, wie geplant. Dennoch können wir mit ganzer Kraft Kirche sein und das Evangelium leben, indem wir nach dem Reich Gottes im Jetzt fragen. Da kann dann auf einmal deutlich werden, dass es nicht nur Mangel gibt. Denn da sehe ich die Männer und Frauen, die sich z.B. im Verwaltungsausschuss, in den liturgischen Diensten und vielen Bereichen der Pfarrei tatkräftig engagieren. Da sehe ich, dass mit Pastor Mühlbauer ein Priester da ist, der sich für die Menschen in der Pfarrei interessiert und engagiert. Da sehe ich die lebendigen Gottesdienste, in denen miteinander gebetet, gesungen und sich anschließend über das Leben ausgetauscht wird. Da sehe ich die Gastfreundschaft für unsere ukrainischen Gäste und zugleich ihr Engagement, um ihren Teil für ein gelungenes Miteinander beizutragen. Es geht nicht darum, alles schön zu reden, zugleich ist es gut, das Schöne zu sehen und sich davon inspirieren zu lassen.


Cyriakus Erntedankaltar 2022
Foto: Regina Motzek


Es könnte unsere Lebens- und Glaubensschule sein, gar nicht die vermeintliche „Stabilität des Normalen“ anzustreben, sondern im hier und jetzt zu fragen: Was können wir für das Reich Gottes tun? Damit kommen wir dem Urgrund des Sinns von Gemeinde und kirchlichem Leben auf jeden Fall näher.

Liebe Schwestern und Brüder, es läuft nicht wie geplant. Ist nicht schlimm. Es gibt das JETZT, in dem wir mit unserer Liebe zu Gott und den Menschen das Reich Gottes mitgestalten und wachsen lassen können.

 

Frohe und dankbare Grüße,

Ihr vorerst weiterhin mit Ihnen als Pfarrverwalter verbundener Domkapitular

Martin Tenge